Monthly Archives: August 2016

Eine Stadtseilbahn als Ergänzung des Nahverkehrs


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Mit dem Bau der Wasserstadt Limmer und mit der deutlich ansteigenden Bevölkerungsentwicklung in Hannover entstehen neue Anforderungen an den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) unserer Stadt.

Vor diesem Hintergrund hat die Grüne Fraktion im Stadtbezirksrat Linden-Limmer einen Antrag an die Stadtverwaltung Hannover gestellt, eine Seilbahnlinie als Alternative zur Straßenbahnlinie hinsichtlich Kosten-, Geschwindigkeits- und Kapazitätsvergleich zu prüfen. Allein der Prüfauftrag hat eine erhebliche Resonanz in Hannover in Presse und sozialen Netzwerken ausgeübt (siehe unten). Die Grundargumentation möchte ich daher an dieser Stelle noch einmal darstellen:

Das Baugebiet Wasserstadt Limmer ist derzeit per ÖPNV nur über den Regiobus 700 erreichbar. Dieser wird die zu erwartenden zusätzlichen Kapazitäten nach der vollständigen Errichtung des Wohngebietes Wasserstadt mit rund 3.500 Menschen nicht bewältigen können.

Geplant ist derzeit die Errichtung einer neuen Stadtbahnlinie „12“, deren vorläufiger Endpunkt zwischen Schleuse Linden und Wunstorfer Landstraße vorgesehen ist.

Die Errichtung einer neuen Stadtbahnlinie führt allerdings zu einer erheblichen Belastung der bestehenden Streckenführung. Vor allem im Kreuzungsbereich Harenbergerstraße/ Wunstorferstraße, in der Fußgängerzone Limmerstraße und am Küchengarten zeigen sich bereits heute zu Verkehrsspitzen Kapazitätsgrenzen. Ein gegenläufiger 2,5-Minutentakt, der durch eine Doppellinie entstände, würde erhebliche Verkehrsbehinderungen zur Folge haben.

Eine Alternative könnte eine Seilbahnführung entlang der Leine darstellen. Seilbahnen werden derzeit vermehrt in Städten dort eingesetzt, wo eine enge Straßenführung oder Wasserläufe bauliche Barrieren darstellen, die die Transportgeschwindigkeit abbremsen oder mit teuren und unkalkulierbaren Tunnelbauwerken ergänzt werden müssen.

Vor allem eine innerstädtische Entfernung von fünf Kilometern Strecke wird als ideal für Seilbahnverbindungen angesehen. Heiner Monheim von der Universität Trier empfiehlt sie deutschen Städten als „missing link“, so der Tagesspiegel vom 1.2.2015.

Seilbahnen kennen keinen Stau, keine Ampel, stehen häufig zur Abfahrt bereit, haben einen geringen Energie- und Platzverbrauch, sind emissionsarm und verursachen keinen Lärm. Zwischen den Stationen stehen jeweils eine Stütze (Höhe Dornröschenbrücke und Höhe Wasserkunst).

Nach Angaben von Fachleuten liegen die Entstehungskosten bei 30 Prozent einer Straßenbahnlinie. Die Kapazität beträgt bis zu 6.000 Fahrgästen pro Stunde bei einer Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h.

Damit könnte die Strecke von der Wasserstadt zum Königsworther Platz in 7 bis 10 Minuten – je nach Zwischenhalten – überwunden werden (Gesamtlänge: ca. 3 Kilometer).

Von der Seilbahn aus können Herrenhäuser Allee, Welfenschloss, Leineaue als auch der Barockgarten Herrenhausen eingesehen werden.

Wir fordern die Stadt Hannover auf, das Projekt ernsthaft zu prüfen und eine Machbarkeitsstudie auf den Weg zu bringen. Es führt uns weg von der gestrigen Tunneldebatte in unserer Stadt, hin zu einem Wettbewerb um die besten Ideen für eine echte Verkehrswende.

Pressespiegel:
Neue Presse vom 16.8.2016 Seilbahn Wasserstadt – Genial oder Gaga?
Neue Presse vom 16.8.2016 Seilbahn Wasserstadt – Eine Seilbahn für Hannover
Hannoversche Allgemeine Zeitung 17.8.2016 Seilbahn Wasserstadt – Was schwebt der Wasserstadt vor?
Neue Presse vom 17.8.2016 Seilbahn Wasserstadt – Hannover diskutiert Wasserstadt-Seilbahn
Hannoversche Allgemeine Zeitung 18.8.2016 Zu gut für die Geht-nicht-Tonne

Links:
Eine Seilbahn für Wuppertal. Rat beschließt Prüfung der Realisierbarkeit (mit Link zur Machbarkeitsstudie)

Eine verkehrsberuhigte Zone vom Lindener Markplatz bis zur Limmerstraße – Die Idee der „Grünen Banane“

LindenerMarktplatz

Insgesamt verändert sich die Einstellung gegenüber dem Auto. Immer mehr Menschen sehen im Auto nicht nur durch Abgase, Lärm und Unfälle eine Belastung, sondern auch im Flächenverbrauch, vor allem in engen Stadtquartieren.

Dieser Unmut zeigt sich derzeit am Lindener Marktplatz, der außer an Markttagen zur Hälfte den Autos als Parkplatz zur Verfügung steht. Nicht den Kindern, nicht zum Verweilen und nicht den Cafès, Restaurants und Geschäften.

Dabei gibt es seit den frühen 90er Jahren Initiativen, die sich mit der Verkehrsberuhigung des Lindener Marktplatzes, der Stephanusstraße und des Lichtenbergplatzes beschäftigen: Der Arbeitskreis Verkehrsplanung in Linden aus Frauensicht, die Projektgruppe Quartier der Zukunft 2030 in Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftsladen Hannover e.V. sowie dem VCD Niedersachsen e.V. und jüngst die Initiativgruppe Platz da!

Seit kurzem wird mit kreativen Aktionen auf die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten des Lindener Marktes aufmerksam gemacht. Eine Dokumentation findet sich auf https://hannovercyclechic.wordpress.com/.

Wir haben als Stadtteilgruppe der Grünen wollen die Entwicklung des Lindener Marktplatzes zum Anlass nehmen, die gesamte Verkehrssituation zwischen Lindener Marktplatz und Küchengarten zu überdenken.

Vor allem in Linden entwickelt sich der Anteil des Radverkehrs sehr schnell. Warum eigentlich nicht eine verkehrsberuhigte Achse vom Lindener Marktplatz bis zur bereits bestehenden Fußgängerzone Limmerstraße denken? Wir haben unter dem Arbeitstitel GRÜNE BANANE die Entwicklung vom Ende her gedacht: Die Stephanusstraße wird zum Shared Space und der Lindener Marktplatz wieder zu einem autofreien Stadtteilplatz, der auch außerhalb der Marktzeiten ein wirkliches Zentrum des Stadtteils bildet.

1607_Lindenspiegel_Gruene_Banane

Eine Umsetzung hätte erhebliche positive Auswirkungen auf eine zentrale Tangente Lindens: Mehr Platz, Entschleunigung, Verkehrssicherheit, Vorrang für Kinder, Verweilende, Passanten, Einkäufer, dazu Entwicklung der Geschäfte, Grünzonen und Freizeitmöglichkeiten.

Zu diesem Thema haben wir eine Befragung durchgeführt, deren Auswertung wir an dieser Stelle vorstellen. Die Befragung soll ein Stimmungsbild der lokalen Akzeptanz liefern und ist keine 1:1-Vorlage für politische Entscheidungen. Allerdings halten wir es für richtig, stärker Befragungen dieser Art durchzuführen.

Die Ergebnisse in Kurzform (Langfassung unter dem Beitrag als PDF-Dokument):

Eine deutliche Mehrheit der Befragten
– stört sich generell an der Autodichte im Stadtteil,
– wünscht sich die Fläche des Lindener Marktes autofrei,
– wünscht sich die Stephanustraße als Anliegerstraße.
Keine Mehrheit findet sich für
– eine partielle Einbahnstraßenregelung der Stephanusstraße,
– eine vollständig autofreie Stephanusstraße,
– autofreie Straßen am Lindener Markplatz.

Die deutliche Mehrheit für einen autofreien Lindener Marktplatz und die vielen positiven Rückmeldungen zu weiteren Verkehrsberuhigungsmaßnahmen motivieren uns, für die Idee der GRÜNEN BANANE gemeinsam mit Fachleuten und Beteiligten vor Ort ein Nutzungskonzept zu erarbeiten.

Wir sind positiv überrascht, welche Resonanz – pro und contra – unsere Befragung ausgelöst hat. Es bestärkt uns, bei wichtigen Entscheidungen bereits im Vorfeld alle Beteiligten mit in die Diskussion einzubinden. Der Aufwand so einer Befragung ist allerdings hoch, das wäre eigentlich eine Aufgabe der Verwaltung.

Die Ergbisse der Befragung finden sich hier:
Auswertung Haushalts- und Geschäftsbefragung „GRÜNE BANANE“
Verkehrsberuhigung Lindener Marktplatz/Stephanusstraße

Siehe auch:
Linden – Erste autofreie Zone? Bild vom 13.7.2016
Dicke Luft in Hannover durch Abgasbetrug – Wie geht es weiter mit Feinstaub und co?