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Schleichende Gentrifizierung

GentrifizierungNedderfeldstraße, Linden-Nord, Hannover

Der Streit um die schleichende Gentrifizierung begann im Frühjahr 2011. Vor allem junge Menschen fanden im Stadtteil keine Wohnung mehr. Es lag erst einmal nicht an den hohen Mieten, der Wohnungsmarkt war einfach dicht. Erstmals seit vielen Jahren gab es wieder Nettozuzüge, das heißt Hannover wuchs und die angesagten Stadtteile, insbesondere Linden, gerieten unter Druck. Mit der Besetzung eines vom Abriss bedrohten Wohnhauses machte eine Gruppe junger Menschen auf die Situation aufmerksam. In Folge der Besetzung wurde nicht etwa über die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt diskutiert sondern über die Frage, ob Hausbesetzungen legitime Mittel zivilen Ungehorsams seien.

Ein Teil der Debatte wurde in den örtlichen Zeitungen aufgenommen. Zwei Auseinandersetzungen sind hier stellvertretend aufgeführt. Meine Argumentation orientiert sich jeweils an einer zentralen Grundfigur: Wenn wir das Gleichgewicht in unserem Stadtbezirk halten wollen, müssen wir darauf achten, dass niemand aus dem Stadtteil verdrängt wird. Verdrängung ist ein leiser, schleichender und irreversibler Prozess und trifft immer diejenigen, die sich am wenigsten wehren und artikulieren können.

Vielfach ist uns diese Argumentation im Munde umgedreht worden. Wir würden etwas gegen Neuzuzüge haben, uns gegen die Besserverdienenden richten, Investoren verschrecken. Das ist nicht der Fall, jede und jeder ist hier gerne gesehen, der am Gemeinwohl mitwirken möchte. Es hat in der Vergangenheit genügend Beispiele schonender Sanierung und ehrenamtlichen Engagements für eine Verbesserung der Stadtteile gegeben. Die Methoden der jüngeren Zeit, Menschen aus den Wohnungen „rauszuwohnen“ und am Rande der Legalität unter dem Druck des Wohnungsmarktes Verträge abzuschließen und Mieterhöhungen durchzuführen, bewirken das Gegenteil. Entsolidarisierung und Misstrauen.

Zwei Dialoge, ein Interview, eine Persiflage und ein aus der Auseinandersetzung hervorgegangenes Positionspapier skizzieren die Gentrifizierungsdebatte:

Gentrifizierung in Hannover-Linden (h1-Fernsehen Juni 2012)

Interview im Kleeblatt (Ausgabe Oktober 2012)

Gentrifizierung – Wem gehört die Stadt (November 2012)

Streitdialog Barkoff/Gardemin (Januar bis März 2013)

Bezahlbarer Wohnraum in verdichteten Wohnquartieren der Stadt Hannover – Vorschlag zur Eindämmung von Verdrängungsprozessen und Wohnungsnot (Positionspapier Daniel Gardemin, Mai 2013)

Steigen die Mieten in Linden? Eine Diskussion (Februar 2014)