Umwelt

Die Rückkehr der Biber

westschnellweg

Leinebrücke Westschnellweg

Ausgerechnet in den Stadtteil Linden-Nord, der die höchste Siedlungsdichte Niedersachsens aufweist, ist der Biber nach fast einem Jahrhundert Abwesenheit zurückgekehrt. Fast unbemerkt hat er sich an den Ufern der Leine angesiedelt. Erst im Naturschutzgebiet Alte Leine, dann im Landschaftsschutzgebiet Südliche Leineaue auf Höhe des Schnellen Grabens und nun im Schatten der großen Brücke des Westschnellweges. Die Bedingungen seien ideal, so der Vorsitzende des Hannoverschen Fischereivereins, Heinrich Pyka, in der Neuen Presse vom 31.12.2015. Die Weiden- und Erlenbestände am Flussufer sind nahrhaft und die Wasserqualität habe zugenommen. Und auch der Anspruch Hannovers, als Hauptstadt der Diversität den Artenreichtum zu mehren, weist den richtigen Weg. Ganz ungestört wird der Biber aber dennoch nicht bleiben, zahlreiche Angler säumen das Flussufer und der Leinenzwang wird bei Hundesbesitzern nicht immer ganz ernst genommen.

Biber

Biberspuren in Linden-Nord

Dennoch zeigt die Rückkehr des Bibers, dass der städtische Lebensraum vielfältige Möglichkeiten bietet, auch dort, wo es vielleicht auf den ersten Blick unwirtlich aussieht. Belebt wird genau dieser Zwickel an der Leine demnächst zusätzlich durch den Bezug der frisch errichteten Wohnungen für Flüchtlinge zwischen Westschnellweg und Steigerthalstraße. Diversität bekommt unter diesem Gesichtspunkt eine umfassendere Bedeutung. Für Linden sind die Neuankömmlinge ein Gewinn.

Biber_Nacht

Nachtaufnahme eines Bibers in der Nähe des Ohe-Damms, Foto Geiling/2015

Und weil immer wieder Rückfragen zur Siedlungsdichte aufkommen, hier noch die Rangfolge der dichtbesiedelsten Stadtteile Niedersachsens: 1. Linden-Nord (169 Bewohner/Hektar am 1.1.2014), 2. Oststadt (164), 3. List (89) 4./5. Südstadt/Vahrenwald (je 76) 6. östliches Ringgebiet Braunschweig (64), 7. Stadtteil Schinkel Osnabrück (58), 8. Mühlenberg (56), 9. Linden-Mitte (55)

Siehe auch:
Umwelt
Guerilla-Gardening erobert die Stadt

Atomkraftwerk Grohnde – ein Sicherheitsrisiko vor den Toren Hannovers

Kontrollraum

Das Atomkraftwerk Grohnde feiert in diesem Jahr sein 30. Betriebsjahr. Technisch ist es damit ein echter Oldtimer geworden, der sich mit einer historischen Plakette schmücken dürfte.

Leider ist das AKW auch so anfällig wie ein alter Opel Kadett. Es rostet, Dichtungen sind porös, es leckt hier und da, Notstromaggregate und Pumpen fallen aus. Die Technik aus dem analogen Zeitalter ist schrottreif. Kein anderer Meiler in Deutschland ist so störanfällig wie das von Eon in einer mitarbeiterreduzierten Abwicklungsgesellschaft betriebene AKW Grohnde.

Dennoch hat es noch eine Restlaufzeit bis 2021 zugestanden bekommen. Das ist unverantwortlich, sozusagen ein Spiel auf Risiko. Wir wollen keinen weiteren Störfall, keinen Ernstfall. Wir fordern daher: Grohnde sofort abschalten!

Hannover liegt in der unmittelbaren Nachbarschaft und in Hauptwindrichtung des Atomkraftwerks. Nur 42 Kilometer vom Lindener Marktplatz entfernt läuft das in die Jahre gekommene AKW. Das ist Marathondistanz, das heißt Grohnde ist in wenigen Stunden zu Fuß erreichbar. Im Ernstfall wäre Hannover in Kürze von einer radioaktiven Wolke erfasst. Dieses Szenario mag sich niemand vorstellen.

abschalten

Spätestens der Atomunfall in Fukushima hätte aber für Hannover zu Konsequenzen führen müssen. Bis heute besteht für den Ernstfall nur für den engsten Umkreis eines AKWs ein Handlungsszenario. Anders als in Japan haben wir hier aber keinen Wind, der auf das Meer hinausziehen kann. Es gilt im Ernstfall also schnell zu Handeln, vor allem in Windrichtung. Die paar vorgesehenen Jodtabletten wären viel zu spät bei der Bevölkerung.

Auch wenn es zu den unbequemen Wahrheiten gehört, bei Südwestwind müsste, wenn die Gesundheit der Bevölkerung nicht riskiert werden soll, der gesamte Ballungsraum zwischen Hameln, Hildesheim und Hannover von über einer Million Menschen evakuiert werden. Da dies unmöglich erscheint, wird es wohl eher zu unkontrollierter individueller Flucht kommen.

Einzig die Feuerwehr fühlt sich vorbereitet, zumindest auf Unfälle bei einem der zahlreichen Atomtransporte durch Hannover. Eine Anfrage der Grünen im Stadtbezirksrat Linden-Limmer ergab, dass sich der „Fachbereich Feuerwehr durch eine operativ-taktische und administrativ-organisatorische Führungskomponente“ gegen Atomunfälle im Stadtgebiet gewappnet sieht.

Es scheint, als hätten wir resigniert und uns mit den Restlaufzeiten abgefunden. Doch gerade die Unachtsamkeit der gewohnten Routine, gepaart mit dem Alter der verbliebenen Meiler und der Abkehr der Stromkonzerne von ihrer Verantwortung für die komplexe Technik und ihren Folgen, darf nicht zu einer leichtfertigen Abwicklung der verbleibenden Jahre führen.

Tschernobyl und Fukushima mahnen uns, der Forderung nach dem sofortigen Atomausstieg Nachdruck zu verleihen. Am 11. März 2015, 16-18 Uhr, laden wir in Linden zum vierten Jahrestag des Unglücks von Fukushima zu einer Mahnwache auf den Küchengartenplatz ein. Lasst uns unbequem bleiben, drängt Eure Abgeordnetinnen und Abgeordneten, das Thema nicht zu vernachlässigen, informiert Euren Freundeskreis, schließt Euch mit Aktionen an!

siehe auch: Wir machen unseren Strom selbst

Guerilla Gardening erobert die Stadt

urbangardening_00Dornröschenbrücke, Linden-Nord, Hannover

Immer häufiger sehen wir, wie Straßenraum phantasievoll begrünt wird. Blumenampeln hängen in den Bäumen, kleine freie Flächen werden mit Blumenkästen zu Minioasen zwischen Autos und Fahrrädern. Manchmal sprießen einfach Wildblumen auf kleinen Rasenresten. Dahinter steckt nicht die Stadtverwaltung, sondern Menschen, für die Straßen nicht nur funktionale Verkehrswege sind. Sie sind Teil einer Graswurzelbewegung, die mehr Grün in die Stadt tragen möchte. Das liebevolle Gärtnern vor der Haustür oder gezielt geworfene Blumensamen, sogenannten Saatbomben, sind die Waffen der Guerilleros. Das Begrünen ist zwar nicht erlaubt, da Pflanztröge oder Bewuchs Gefahren für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs darstellen. Doch gerade der Widerstand gegen die ungerechte Verteilung von öffentlichem Raum und die sanfte Wahl der Mittel macht das Guerilla Garding so attraktiv. Wer kann schon etwas gegen ein paar Blumen haben? Richard Reynolds betont die politische Ebene des urbanen Gärtnerns gegen die Machtverhältnisse: „Guerilla Gardeming ist eine Schlacht, in der die Blumen die Munition sind (Reynolds 2009: Guerilla Gardening, Ein botanisches Manifest, S. 12).

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gesehen in der Pestalozzistraße, Linden-Nord, Hannover

In der Pestalozzistraße in Linden-Nord sind mehrere Bäume umgärtnert worden. Das Foto zeigt eindrucksvoll die Kraft des Guerilla Gardenings. Inspiriert davon, habe ich ein kleines Kunstwerk an unserem Patenbaum in der Nedderfeldstraße gehängt. Nachahmung erwünscht!

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Kunst im Baum, Nedderfeldstraße, Linden-Nord, Hannover

siehe auch: Palettengärten in Linden-Nord
siehe auch: Baumpatenschaften

Wir machen unseren Strom selbst

 HKW02Lindener Heizkraftwerk, Linden-Nord, Hannover

Seit 2004 installieren und betreiben wir Bürgersolaranlagen. Wir, das sind Menschen aus Hannover, die einen Beitrag zur Energiewende leisten wollen. Hannovers Dächer eignen sich dafür hervorragend. Unsere Pilotanlage entstand auf einem Genosenschaftsgebäude in Linden-Nord. Weitere Anlagen folgten in der ganzen Region Hannover.

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Bürgersolaranlage SolCollect, Ottenstraße, Linden-Nord, Hannover

Nähere Infos unter: www.solcollect.de