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Guter Kompromiss gefunden: Public Viewing findet jetzt auf der Fährmannswiese statt

Fährmannsufer – Zusammenfluss von Leine und Ihme

Was so ein Antrag im Bezirksrat bewirken kann. Wir hatten seitens der Bezirksratsfraktion der Grünen gefordert, das Public Viewing am Küchengartenplatz so zu gestalten, dass der Teilnehmerkreis überschaubar bleibt, kein Lärm bis in die Nachtstunden zu Lasten der ansässigen Bevölkerung entsteht und für die wichtigen und publikumsstarken Spiele eine Ausweichmöglichkeit am Flussufer geschaffen wird. Daraufhin hat die Verwaltung Vertreter/innen des Bezirksrates Linden-Limmer – endlich – zu einem Gespräch geladen. Gemeinsam mit der Verwaltung haben sich alle Vertreter/innen der Parteien und die zuständige Fachverwaltung einstimmig auf eine vollständige Verlegung des Public Viewings auf das Fährmannsufer verständigt. Gutes Wetter vorausgesetzt, kann das Fährmannsufer nun zu einer schönen Party werden. Auch hier müssen Regeln eingehalten werden, aber die Voraussetzungen sind sehr viel besser als auf dem Küchengartenplatz und der veranstaltende Wirt hat ordentlich Rückenwind für sein Vorhaben. Ein Rätsel bleibt, weshalb die Verwaltung weder zum Standort Weißekreuzplatz noch zum Küchengartenplatz zu Beginn der Idee mit dem Bezirksrat und den Menschen vor Ort gesprochen hat. Das hätte Zeit, Stress und Vorverträge erspart.

Einige hätten sich lieber eine zentrale Veranstaltung am Waterlooplatz oder auf dem Trammplatz gewünscht. Diese hätte aber von der Stadt finanziert werden müssen. Allein das Endspiel würde die Stadt rund 60.000 Euro kosten. Private Betreiber, die bspw. bei vergangenen Fußballereignissen im Sportpark Spiele übertrugen, hatten im Vorfeld bereits abgewunken. Die Anforderungen an Großereignisse sind anspruchsvoller geworden, für das Schützenfest bspw. werden über 100.000 Euro nur für Sicherheitsmaßnahmen ausgegeben. Vor diesem Hintergrund wurde der Antrag der Linken auf ein Public Viewing am Trammplatz abgelehnt. Einen Vertrag für ein zweites Public Viewing hätte der Antrag auch nicht automatisch verhindert. Insofern  ist die jetzt gefundene Lösung ein vernünftiger Kompromiss, der dem vielfältigen und jungen Leben im Stadtteil gerecht wird.

Hier der Antrag der Grünen im Wortlaut:

  • Die Einrichtung eines Ausweichplatzes zum Küchengartenplatz, die spätestens erfolgt, wenn die Deutsche Fußballnationalmannschaft das Viertelfinale erreicht. Dafür schlagen wir die bereits ins Gespräch gebrachte Uferzone der Ihme in Höhe des Fährmannufers vor.
  • Die Stadt legt ein Konzept vor, mit dem die geplante Teilnehmer/innenzahl des Public Viewings von maximal 1.000 Personen nicht überschritten wird, um Gefahrenlagen und Lärm auf dem Küchengarten-Platz und der Bildung einer „Fanmeile“ im Wohngebiet Stephanusstraße vorzubeugen.
  • Die Verwaltung stellt zwei oder mehr Teams von Ordnungskräften und Streetworkern für die gesamte WM zusammen, die bei und nach den Abendspielen von 20 Uhr bis 2 Uhr morgens zwischen Lindener Markt und Limmer Straße für Deeskalation sorgen und als Ansprechpartner für die Anwohner/innen zur Verfügung stehen.

Begründung:

Da dieses Jahr zur Fußball-WM kein offizieller Public-Viewing-Platz geschaffen wird, besteht im Stadtteil die Sorge, dass in Linden mit der Auswahl von zwei zentralen Plätzen (Lindener Marktplatz und Küchengarten-Platz) mehr Fußballfans die Veranstaltungen aufsuchen, als der Stadtteil verkraften kann. Anwohner/innen der Stadtplätze in Linden haben schon durch den bereits vorhandenen Partytourismus unter Lärmbelastung und Verschmutzung zu leiden.

Bei mehr als 50 Spielen, davon maximal 7 mit deutscher Beteiligung, die übertragen werden sollen, ist vor allem bei Abendspielen davon auszugehen, dass sich Fußballfans noch lange nach den Spielen in Linden aufhalten werden.

Der Stadtbezirk Linden-Limmer hat im Frühjahr die Verwaltung mit großer Mehrheit aufgefordert, ein Nachtkonzept zur Beruhigung der Partyzonen im Stadtbezirk zu erarbeiten. Dazu gehört die Forderung, nachts Streetworker und Ordnungskräfte deeskalierend auf die Partygäste einwirken zu lassen, so dass der nächtliche Geräuschpegel für die Anwohner/innen erträglicher wird.

Ein Nachtkonzept für’s Limmern

„Limmern“ macht Spaß, bringt Menschen zusammen und hat Linden zu einem most amazing place to visit gemacht. Nicht nur gefühlt, sondern auch in harten Zahlen. Jährlich rund eine Million Linden-Gäste sind ein Imagefaktor für die ganze Stadt Hannover und ein ordentlicher Batzen für den Kämmerer. Jetzt ist die Stadt Hannover gefordert, mit einem Nachtkonzept Linden unter die Arme zu greifen, um die Attraktivität zu erhalten und die Bevölkerung Lindens vor den Folgen des nächtlichen Partytourismus zu schützen.

Hauptsächlich an Wochenenden in den Sommermonaten machen Geschäfte, Clubs, Kioske, angesagte Cafes, Gaststätten und Kneipen mit Livemusik, Tablequiz und Klamottentauschparties Linden zu einem bunten und vielfältigen Kulturmix erster Güte. Vor allem das Bermudadreieck Küchengarten-Faust-ChezHeinz wird bis in die Morgenstunden durchlaufen und manche Nachtschwärmer bleiben gleich stundenlang in Hauseingängen sitzen. Allein die Menge und Dauer des „Limmerns“ bringt zwangsläufig auch Konflikte um Lautstärke, Abfall und Toilettennutzung nach Linden, vor allem nach 22 Uhr. Eine kleine Befragung auf der besondes stark betroffenen Limmerstraße hatte 2012 ergeben, dass die meisten Anwohner stark von nächtlichem Lärm betroffen sind, aber keine ausgrenzenden restriktiven Maßnahmen wünschen. Seit 2013 werden daher auf der Limmerstraße am Wochenende und an Feiertagen zwischen 20 und 4 Uhr eine Nachtstreife und ein Sozialarbeiter zur Deeskalation eingesetzt. Im Rahmen des Projektes „Nette Toilette“ stellen fünf Gastwirte ihre Toiletten auch Nichtgästen zur Verfügung.

In den vergangenen Jahren hat die Attraktivität des „Limmerns“ nicht nachgelassen, sich aber in der Ausbreitung und in der Zusammensetzung der Partygänger verändert. Vor allem die Flussufer und Grünflächen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Kurzfristig über soziale Netzwerke arrangierte Treffpunkte, das Bedürfnis, sich individuell zu verabreden, spontan Musik zu machen und auch mobile Musikanlagen fördern den Trend zur Freiluftparty. Und die Neugier auf das „Limmern“ an sich ist ungebrochen. Organisierte Erstsemestergruppen, Vatertagsausflüge, Fußballtourismus und Junggesellenabschiede führen vermehrt nach Linden. Schätzungen zu Folge werden die ansässigen Musikclubs von über 400.000 Besucher/innen jährlich besucht. Kneipen und Gastronomie haben mindestens Gäste in gleicher Größenordnung. Dazu kommen schätzungsweise noch einmal 300.000 abendliche und nächtliche Gäste auf die Limmerstraße und an die Flussufer. Sie sind hauptsächlich Kundschaft der Supermärkte und Kioske auf und an der Limmerstraße.

Umfragen und Gesprächen nach sind die Lindener gastfreundlich und wissen das gute Image zu schätzen. Auch verhält sich der allergrößte der Teil der Gäste fair und angemessen. Bei der großen Zahl der Partytouristen allerdings reicht eine Minderheit aus, den Stadtteilfrieden erheblich zu stören. Mit rund einer Million Gäste jährlich gerät vor allem die Infrastruktur des Stadtteils Linden-Nord an die Grenzen der Belastbarkeit. Vor allem die in der Nähe der Musikclubs und der Limmerstraße besonders durch gestörte Nachtruhe betroffene Bevölkerung bedarf des Schutzes vor zu großer Lärmemission.

Die Stadt Hannover steht in der Verantwortung, dem Stadtteil Linden-Nord bei der Bewältigung der Besuchermassen zu helfen. Letztlich profitiert die gesamte Stadt Hannover vom positiven Image des Lindener Nachtlebens, das weit über den Stadtteil und auch die Stadt hinaus neugierig auf Hannover macht.

Die Stadt Hannover erarbeitet derzeit ein Konzept für Sicherheit und Ordnung, in das auch die Stadtbezirke eingebunden werden sollen. Vorgesehen sind 38 Stellen für den Ordnungsdienst. Ordnungsdienst allein wird Linden aber nicht helfen, konkrete Maßnahmen sind auszuhandeln. Dazu gehören Ansprechpartner, die die ganze Nacht erreichbar sind, Sozialarbeiter, die sich kümmern und ein Vorstellung, wann an welcher Stelle Konflikte auftreten können. Solche Nacht-Konzepte und Lärmminderungsplanungen gibt es bereits in anderen Städten. Sie sinnvoll auf die Bedürfnisse Lindens anzuwenden, wäre wünschenswert hinsichtlich eines einvernehmlichen Zusammenlebens im Stadtteil.