Ein Nachtkonzept für’s Limmern

„Limmern“ macht Spaß, bringt Menschen zusammen und hat Linden zu einem most amazing place to visit gemacht. Nicht nur gefühlt, sondern auch in harten Zahlen. Jährlich rund eine Million Linden-Gäste sind ein Imagefaktor für die ganze Stadt Hannover und ein ordentlicher Batzen für den Kämmerer. Jetzt ist die Stadt Hannover gefordert, mit einem Nachtkonzept Linden unter die Arme zu greifen, um die Attraktivität zu erhalten und die Bevölkerung Lindens vor den Folgen des nächtlichen Partytourismus zu schützen.

Hauptsächlich an Wochenenden in den Sommermonaten machen Geschäfte, Clubs, Kioske, angesagte Cafes, Gaststätten und Kneipen mit Livemusik, Tablequiz und Klamottentauschparties Linden zu einem bunten und vielfältigen Kulturmix erster Güte. Vor allem das Bermudadreieck Küchengarten-Faust-ChezHeinz wird bis in die Morgenstunden durchlaufen und manche Nachtschwärmer bleiben gleich stundenlang in Hauseingängen sitzen. Allein die Menge und Dauer des „Limmerns“ bringt zwangsläufig auch Konflikte um Lautstärke, Abfall und Toilettennutzung nach Linden, vor allem nach 22 Uhr. Eine kleine Befragung auf der besondes stark betroffenen Limmerstraße hatte 2012 ergeben, dass die meisten Anwohner stark von nächtlichem Lärm betroffen sind, aber keine ausgrenzenden restriktiven Maßnahmen wünschen. Seit 2013 werden daher auf der Limmerstraße am Wochenende und an Feiertagen zwischen 20 und 4 Uhr eine Nachtstreife und ein Sozialarbeiter zur Deeskalation eingesetzt. Im Rahmen des Projektes „Nette Toilette“ stellen fünf Gastwirte ihre Toiletten auch Nichtgästen zur Verfügung.

In den vergangenen Jahren hat die Attraktivität des „Limmerns“ nicht nachgelassen, sich aber in der Ausbreitung und in der Zusammensetzung der Partygänger verändert. Vor allem die Flussufer und Grünflächen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Kurzfristig über soziale Netzwerke arrangierte Treffpunkte, das Bedürfnis, sich individuell zu verabreden, spontan Musik zu machen und auch mobile Musikanlagen fördern den Trend zur Freiluftparty. Und die Neugier auf das „Limmern“ an sich ist ungebrochen. Organisierte Erstsemestergruppen, Vatertagsausflüge, Fußballtourismus und Junggesellenabschiede führen vermehrt nach Linden. Schätzungen zu Folge werden die ansässigen Musikclubs von über 400.000 Besucher/innen jährlich besucht. Kneipen und Gastronomie haben mindestens Gäste in gleicher Größenordnung. Dazu kommen schätzungsweise noch einmal 300.000 abendliche und nächtliche Gäste auf die Limmerstraße und an die Flussufer. Sie sind hauptsächlich Kundschaft der Supermärkte und Kioske auf und an der Limmerstraße.

Umfragen und Gesprächen nach sind die Lindener gastfreundlich und wissen das gute Image zu schätzen. Auch verhält sich der allergrößte der Teil der Gäste fair und angemessen. Bei der großen Zahl der Partytouristen allerdings reicht eine Minderheit aus, den Stadtteilfrieden erheblich zu stören. Mit rund einer Million Gäste jährlich gerät vor allem die Infrastruktur des Stadtteils Linden-Nord an die Grenzen der Belastbarkeit. Vor allem die in der Nähe der Musikclubs und der Limmerstraße besonders durch gestörte Nachtruhe betroffene Bevölkerung bedarf des Schutzes vor zu großer Lärmemission.

Die Stadt Hannover steht in der Verantwortung, dem Stadtteil Linden-Nord bei der Bewältigung der Besuchermassen zu helfen. Letztlich profitiert die gesamte Stadt Hannover vom positiven Image des Lindener Nachtlebens, das weit über den Stadtteil und auch die Stadt hinaus neugierig auf Hannover macht.

Die Stadt Hannover erarbeitet derzeit ein Konzept für Sicherheit und Ordnung, in das auch die Stadtbezirke eingebunden werden sollen. Vorgesehen sind 38 Stellen für den Ordnungsdienst. Ordnungsdienst allein wird Linden aber nicht helfen, konkrete Maßnahmen sind auszuhandeln. Dazu gehören Ansprechpartner, die die ganze Nacht erreichbar sind, Sozialarbeiter, die sich kümmern und ein Vorstellung, wann an welcher Stelle Konflikte auftreten können. Solche Nacht-Konzepte und Lärmminderungsplanungen gibt es bereits in anderen Städten. Sie sinnvoll auf die Bedürfnisse Lindens anzuwenden, wäre wünschenswert hinsichtlich eines einvernehmlichen Zusammenlebens im Stadtteil.

23 comments for “Ein Nachtkonzept für’s Limmern

  1. kleiner Troll
    2. November 2017 at 14:14

    „Eine kleine Befragung auf der besondes stark betroffenen Limmerstraße hatte 2012 ergeben, dass die meisten Anwohner stark von nächtlichem Lärm betroffen sind, aber keine ausgrenzenden restriktiven Maßnahmen wünschen.“

    Restriktive Maßnahmen wünscht sich hier wirklich keiner. Der Lärm jedoch hat weiter zugenommen. Wenn es nicht grade in Strömen gießt, schallt das Gegröhle an sieben Tagen in der Woche durch die Straßen – vornehmlich nachts von 22 bis 2 Uhr. Während an anderen Orten Alkohlkonsum vor Trinkhallen verpönt ist, werden auf der Limmer sogar Stühle gestattet, ganz offziell mit Segen von der Stadt. Die Hauseingänge sind dann jeden Morgen zugepisst; denn was helfen freundliche Kneipenwirt*innen, wenn auch die mal Feierabend machen. Die meisten Student*innen sehen zu, dass sie hier spätestens zum Master wegkommen, weil es einfach zu laut ist. Buntes Leben ist amazing, vom ASTA und den Fachschaften organisierte Massenbesäufnisse jedoch heroisieren das Asoziale, das grade so extrem hip ist, weil man es sich ja leisten kann, auf Kosten anderer abzustürzen. Fehlt nur noch, das eine*r der Raser*innen nachts auf der Limmer die Zugedröhnten überrollt, dann wird die Stadt wohl merken, dass es zu einfach war, Linden aufzugeben und es schon lange kein most amazing place mehr ist.

  2. Thumbsup
    7. November 2017 at 11:51

    Ich freue mich, dass die sich seit Jahren zunehmend verschärfende Problematik mit dem Partytourismus in Linden-Nord nun endlich auch auf (bezirks-)politischer Ebene zur Kenntnis genommen wird.

    Vielleicht ist dies der lang ersehnte erste Schritt zu einer nachhaltigen Veränderung der nächtlichen Auswüchse der um sich greifenden Open-Air-Feierkultur im Sinne der lärmgeplagten Anwohner.

    Da kommt glatt ein wenig Hoffnung auf, dass bei einem rechtzeitgen Gegensteuern Zustände wie in beliebten Bezirken in anderen Großstädten doch noch vermieden werden können. Es lohnt sich also tatsächlich, einen Blick auf die Situation in anderen Städten zu werfen, die leider in negativer aber zum Glück gelegentlich auch in positiver Hinsicht schon weiter sind als wir hier in Linden-Nord bzw. Hannover (siehe Links am Ende).

    Was mich auch noch interessieren würde:
    Gibt es Quellen oder Belege für die im Text genannten Zahlen zu den jährlichen Besuchern und Gästen in Linden-Nord? Von wem stammen die Schätzungen? Wie wurden sie ermittelt?

    „Beschwerdetelefon gegen Partylärm – Ruhig mal anrufen“
    https://www.taz.de/Beschwerdetelefon-gegen-Partylaerm/!5217042/

    „Party – Warum der Lärm an der Admiralbrücke nicht endet“
    https://www.morgenpost.de/berlin/article104494567/Warum-der-Laerm-an-der-Admiralbruecke-nicht-endet.html

    „Partyzone Friedrichshain-Kreuzberg – Bezirksbürgermeisterin Herrmann fordert Benimmregeln für Touristen“
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/partyzone-friedrichshain-kreuzberg-bezirksbuergermeisterin-herrmann-fordert-benimmregeln-fuer-touristen/10334964-all.html

    „Partylärm in Berlin – Pantomine in Kreuzberg – bringt das was?“
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/partylaerm-in-berlin-pantomine-in-kreuzberg-bringt-das-was/11978338.html

    „Wie die Saufsupermärkte den Kiez töten“
    https://hamburg.mitvergnuegen.com/2017/wie-das-kiosk-den-kiez-hamburg-toetet

    • 7. November 2017 at 23:24

      Die Schätzungen zu Partytouristen in Linden sind ausgesprochen grob. Die Clubbesuche mit 400.000 anzusetzen, ist eine eigene Hochrechnung, die sich an mündlichen Aussagen von Veranstaltern orientieren. Ob Kneipen und Gastronomie ebenso viele Gäste aufweisen, ist sehr schwer einzuschätzen aber m.E. nicht unrealistisch. Zusätzliche Partygänger, die nur Limmern oder zu den Flüssen gehen, sind sicherlich auch noch einmal eine ähnliche Größe. Das schwankt sicherlich nach Jahresklima, Ferienzeiten etc. Die Zahl 1 Mio. ist daher mit Vorsicht zu genießen. Aber ob 600.000 oder 1,4 Mio ist nicht so wesentlich. Wesentlich ist die große Differenz zu den 16.000 Bewohnern von Linden-Nord. Und wichtig ist auch die Bedeutung für den Tourismus in Hannover. Während ums Maschseefest ein großes Drumherum organisiert wird, soll sich Linden mehr oder weniger alleine organisieren. Wer mag, kann gerne eine Gegenrechnung aufmachen.

      • kleiner Troll
        8. November 2017 at 6:42

        „Und wichtig ist auch die Bedeutung für den Tourismus in Hannover.“

        Mir ist bewusst, dass der zitierte Satz im Kontext einer Unterstützungserwartung an die Stadt steht; dennoch möchte ich in Bezug auf Tourismus darauf hinweisen, dass dieser sich bei allen positiven Nebeneffekten für die Stadt einem Lärmschutz unterzuordnen hat. Einnahmen zu generieren, kann nicht auf Kosten der Anwohner*innen gehen, auch wenn einzelne Kiosksbetreiber*innen das durchaus anders sehen und in der Form auch äußern („Ich muss hier schließlich mein Geld verdienen – zieh doch weg“)! Schlechte Maßnahmen, wie unter erwähnt, können in der Tat zur Eskalation führen, jedoch sind die gesetzlichen Bestimmungen Gewerbetreibende und Emissionsschutz betreffend relativ eindeutig. Eventuell müsste in der weiteren Betrachtung zwischen Partytourist*innen und Gebewerbetreibenden unterschieden werden, wenn es zu tragbaren Lösungen kommen soll.

  3. Skeptikerin
    7. November 2017 at 17:45

    Dass die Politik sich des Themas mal ernsthaft annimmt, ist längst überfällig.
    Die Stadt hat dankenswerterweise bei dem noch zu beschließenden neuen Sicherheitskonzept dem Stadtteil Linden hohe Priorität eingeräumt.

    In Ihrem Antrag auf Anhörung im Bezirksrat zum Thema schreiben Sie u.a. : „…bedarf es daher schonender aber effizienter Maßnahmen für den Stadtteil Linden-Nord, wie es beispielsweise mit Nacht-Konzepten und Lärmminderungsplanung (bspw. Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf) möglich ist.“
    Thumbsup hat im obigen Kommentar schon einige Beispiele genannt zu Versuchen in anderen Städten.
    Haben Sie vielleicht Links zu näheren Informationen zu den Konzepten, auf die Sie sich im Antrag auf Anhörung beziehen? Die Lärmminderungsplanung in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf bezieht sich auf Verkehrslärm. Das hat mit dem Partylärm nicht das geringste zu tun und ist auch nicht vergleichbar. Welche Konzepte kennen Sie, die den Anwohnern in solchen Lärmzonen wie Linden-Nord wieder zu mehr Nachtruhe verholfen haben, und die Sie im Bezirksrat zur Anwendung in Linden vorschlagen werden?

    Hier noch ergänzende Links zur Admiralbrücke in Berlin-Kreuzberg über die einzige mir bekannte Maßnahme, die wirklich effizient ist und weiterhin praktiziert wird:
    Von 2011: http://www.tagesspiegel.de/berlin/kreuzberg-admiralbruecke-wird-freigesprochen/4041482.html
    Von 2012: https://www.berliner-zeitung.de/berlin/admiralbruecke-in-kreuzberg-feiern-bis-zur-raeumung-807000

    • Skeptikerin
      7. November 2017 at 18:07

      Als Nachtrag hier noch Links zu Köln, Brüsseler Platz, wo das Problem – genau wie in Linden – nach so vielen Jahren scheinbar noch lange nicht gelöst ist. Die Anwohner werden dort seit vielen Jahren im Stich gelassen und die Politik versagt kläglich.
      http://www.stadtrevue.de/archiv/artikelarchiv/2209-um-zehn-ist-feierabend/
      https://www.express.de/koeln/bruesseler-platz-laerm-wie-von–nem-presslufthammer-24010244
      https://www.ksta.de/koeln/bruesseler-platz-naechtliche-randalierer-machen-den-anwohnern-zu-schaffen-28387120 Mit Sicherheitskräften, die nur von 22 -24 Uhr und auch nur alle 14 Tage am Wochende vermitteln, müssen sich die Anwohner doch veräppelt fühlen.

      Wenn ich den Begriff „schonende… Maßnahme“ noch mit der Schonung der Geschäftsinteressen derjenigen assoziiere, die am Lärm verdienen, erklärt sich wohl auch warum ich hier als Skeptikerin kommentiere.
      Für positive Überraschungen in Form von wirklich effizienten Maßnahmen der Stadt vin ich natürlich offen :-).
      Wie gerne würde ich irgendwann sagen: Ich hatte unrecht, die Stadt hat sich endlich um das Problem gekümmert und tatsächlich wirksame Maßnahmen ergriffen.

      • 7. November 2017 at 23:35

        „Schonende Maßnahmen“ meint keine martialischen Auftritte. Schlechte Maßnahmen können auch zur Eskalation führen. Auch der jetzt bevorstehende Dialog wird nicht einfach. Wenn dieser nicht vernünftig läuft, wird es schwer, „schonende“ Maßnahmen einzuführen.

        • Skeptikerin
          8. November 2017 at 15:44

          Ich wäre vor allem dafür, dass man endlich ernsthaft nerven- und gesundheitsschonende Maßnahmen für die Anwohner schafft.
          Das muss jetzt oberste Priorität bekommen, wenn man sich nicht sagen lassen will. dass man sich um die Gesetze nicht kümmert und finanzielle Interessen Vorrang haben.
          Und wer sagt, dass es nicht irgendwann eskaliert, wenn man die Anwohner weiterhin so quält?
          Die von mir in einem anderen Kommentar beschriebene Maßnahme der Firma primetec hat nicht zur Eskalationen geführt, sondern zu mehr Nachtruhe für Anwohner, die nah an Ihme und Leine wohnen.

    • 7. November 2017 at 23:29

      Pardon, Charlottenburg ist tatsächlich das falsche Beispiel. Der begonnene Dialog zeigt aber, wie kenntnisreich die vom Lärm betroffenen Menschen Beispiele aufzeigen. Mein Input ist der Vorschlag, aus Linden heraus konstruktive Vorschläge für ein Nachtkonzept zu entwickeln. Dazu soll es eine Anhörung geben und eine Bürger/innen-Beteiligung, moderiert durch den Ordnungsdezernenten.

      • Thumbsup
        8. November 2017 at 10:19

        Ja, die betroffenen Menschen sind in der Tat mittlerweile zwangsweise sehr kenntnisreich, was die Lärmproblematik im Stadtteil angeht. In Zeiten globaler Vernetzung ist es ja glücklicherweise einfach geworden, sich über Entwicklungen in anderen Städten zu informieren. Und so bitte ich auch meinen Hinweis auf die Situation in Berlin und Hamburg zu verstehen: Man muss nicht immer wieder die gleichen Fehler machen. In keiner der betroffenen Gegenden in anderen Städten haben bisher „schonende Maßnahmen“ allein zu einem dauerhaften Erfolg geführt. All die zeitaufwändigen Instrumentarien der Lokalpolitik (runde Tische, Mediationen, Gesprächsvermittlungen), so sinnvoll sie zunächst auch erscheinen mögen, sind bisher durchgehend gescheitert, wenn sie nicht zugleich mit repressiven Maßnahmen gekoppelt wurden. Es sollte also nicht um ein Entweder-Oder gehen, sondern um ein Sowohl-als-auch. Sofern es Beispiele für nachhaltige Erfolge mit rein „schonenden Maßnahmen“ gibt, wäre ich für jeden Hinweis dankbar.

        Zumal bei leidgeprüften Anwohner bereits seit Jahren die Nerven blank liegen und so mancher von ihnen auch von gesundheitlichen Folgen des nächtlichen Schlafentzugs nicht verschont bleibt. Diese Menschen benötigen jetzt sofort Hilfe. Sie sollten ohne weitere Verzögerung umfassende Unterstützung seitens der Stadtverwaltung (Ordnungsamt), politischer Gremien, der Polizei und der finanziellen Profiteure (Kioske, Gastronomen, Supermärkte, Clubs) erhalten. Sonst steht zu befürchten, dass auch in Linden Anwälte und Gerichte eine am Ende für viele unbefriedigende „Lösung“ im Sinne der Anwohner berbeiführen – so wie es andernorts schon geschieht.

        Angesichts der Einigkeit über den Kenntnisreichtum der Anwohner wundere ich mich im übrigen aber sehr über den Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in der nächsten Bezirksratsitzung, eine Anhörung zum Partytourismus in Linden-Nord durchzuführen (https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/15-2517-2017). Warum werden die Anwohner nicht angehört? Warum sollen stattdessen nur die Polizei und Vertreter der Gastronomen und der Straßensozialarbeit befragt werden? Immerhin soll das Ziel der Anhörung ja gerade eine „Bestandsaufnahme der Sommermonate 2017“ sein. Wer kann dazu (ebenfalls kenntnisreich) mehr beitragen als die unmittelbar Betroffenen? Ich kann mir vorstellen, dass eine Anhörung von Anwohnern vor dem Hintergrund des lange angestauten Frustes und der teilweise grassierenden Verzweilung keine angenehme Aufgabe ist. Aber wie bereits gesagt: Man muss die Fehler anderer nicht wiederholen.

  4. Skeptikerin
    8. November 2017 at 15:03

    Vielen Dank an kleiner Troll und Thumbsup für die deutlichen Kommentare.
    Manchmal frage ich mich, wozu wir diese unsäglichen Diskussionen und Verfahren überhaupt brauchen. Die Anwohner wollen ja kein neues Gesetz ins Leben rufen. Die Rechtslage ist eindeutig. Wir haben ein Recht auf Nacht- und Sonntagsruhe.
    Da die Polizei es seit Jahren nicht schafft, Lärmereignisse zeitnah aufzulösen und für Ruhe zu sorgen, ist nun die Stadt gefragt, Ordnungskräfte einzusetzen, damit die Gesetze eingehalten werden. Was genau gibt es daran zu deuteln?

    Jede schonende Maßnahme, die auch effizient ist, ist willkommen. Ich glaube aber nicht mehr daran, dass wir ohne restriktive Maßnahmen auskommen.
    Und ich glaube, den Hinweis, dass die Anwohner zwangsweise zu Experten geworden sind, sollten Stadt und Politiker ernstnehmen. Wir haben in den letzten Jahren zu sehr gelitten, als dass wir uns noch mit Scheinmaßnahmen abspeisen lassen würden.

    Ich warte noch auf die konkreten Beispiele von Ihnen für Maßnahmen, die geholfen haben.
    Eine (leider die einzig wirksame von der Stadt bisher) kann ich Ihnen nennen:
    Im Sommer letzten Jahres hat das Dezernat für Umwelt und Stadtgrün Sicherheitskräfte von der Firma primetec an Ihme und Leine gegen die ohnehin illegalen Techno-Parties und zur Unterstützung der Parkranger, die ja nur tagsüber tätig waren, eingesetzt. Das hat endlich mal was gebracht. Wenn das neue Sicherheitskonzept durch ist, werden diese Sicherheitskräfte leider nicht mehr eingesetzt werden. Nun bin ich gespannt, was uns die Stadt dann als Ersatz zu bieten hat.

    Wirksam wäre es, Sicherheitskräfte zu allen relevanten Zeiten (also ggf. auch bis morgens um 6 oder 8 Uhr) an der Limmerstraße, der Nedderfeldstraße (als Hauptweg zur Faust), in den Parallelstraßen und im Sommer natrürlich auch zwischen Strandleben und Dornröschenbrücke patroullieren zu lassen. Am besten auf Fahrrädern, dann können sie schneller und öfter zu den entsprechenden Lärmquellen gelangen. Wenn diese Ordnungskräfte aktiv zeitnah die Lärmquellen aufsuchen, müssen die Anwohner nicht mehrmals pro Nacht bei der Polizei anrufen, die dann sowieso nicht kommt. (Das haben die meisten sowieso schon aufgegeben. Leider sieht es dann nach einer geringeren Beschwerdelage aus und das Problem wird weiterhin runtergespielt.)
    Die Firma primetec hat gezeigt, was möglich ist. Und das Dezernat für Umwelt und Stadtgrün hat nicht Jahre gebraucht um so eine einfache Maßnahme in die Wege zu leiten.

    Am Geld wird es ja nicht scheitern. Wenn die Faust als Lärmquelle mit einer knappen Viertelmillion unterstützt wird, bleiben doch sicher noch ein paar Peanuts für die lärmgeplagten Anwohner übrig.

    • Skeptikerin
      8. November 2017 at 15:59

      Noch ein Zusatz:
      Diese Sicherheitskräfte sind sicher nicht „martialisch“ aufgetreten und wurden nach allem was ich gehört habe, gut angenommen.
      Für Partytouristen, die sich normal benehmen können, dürften Sicherheitsleute ja auch kein Problem darstellen. Und einige Kiosk- und Kneipenbesitzer, die es nicht mehr schaffen, ihre Klientel zur Ordnung zu rufen, müssten dann ja wohl auch eher dankbar sein.
      Es sei denn, sie haben Angst ein paar Biere weniger zu verkaufen. Aber darauf können wir Anwohner nun leider keine Rücksicht mehr nehmen. Wir müssen schlafen.
      Das hat die Natur leider so eingerichtet, dass der Biorhythmus nachts auf Schlaf eingestellt ist. Die Partytouristen lösen das Problem durch Vorschlafen und/oder indem sie entsprechend Aufputschendes zu sich nehmen. Das kann man aber von den zumeist arbeitenden Anwohnern nicht verlangen.

  5. 8. November 2017 at 15:53

    Nachtkonzept bedeutet, ein Maßnahmenbündel mit Anwohnern, Politik, Stadtteilakteuren und Verwaltung zu entwickeln. Ich werde dem Beteiligungsprozess nicht vorgreifen, empfehle aber, die Erfahrungen anderer Städte zur Kenntnis zu nehmen. Beteiligung heißt, erst einmal zu sammeln, was an Problemen vorliegt und dann zu bewerten.
    Weil in der Diskussion der Eindruck entstanden ist, wir wollten lediglich eine Anhörung ohne Anwohnerinnen und Anwohner. Das Gegenteil ist der Fall. Wir Grüne haben uns für einen Beteiligungsprozess eingesetzt. Dieser wird vom Ordnungsdezernenten organisiert, deshalb muss er im Bezirksrat nicht extra beantragt werden. Wir wollen eine Anhörung von Polizei, Lemmermannhaus und Gastronomie/Clubs als Information in einem ersten Schritt und in einem zweiten Schritt eine Bürger/innen-Beteiligung gemäß Ratsdrucksache (Änderungsantrag: https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/2346-2017; Hauptdrucksache: https://e-government.hannover-stadt.de/lhhsimwebre.nsf/DS/1611-2017). Heute abend im Bezirksrat werde ich das Vorgehen noch einmal vorstellen. Der Bezirksrat tagt öffentlich ab 18 Uhr im Freinzeitheim Linden.

    • Skeptikerin
      8. November 2017 at 16:10

      Wenn ich es richtig verstanden habe, findet heute noch keinen Anhörung der Grünen statt, sondern diese soll erstmal beantragt werden und ggf. wird sie dann zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden.
      Wenn die Stadt doch ohnehin die Problematik schon auf dem Zettel hat, wofür beantragen Sie dann eigentlich noch eine Extra-Anhörung der Grünen? Wenn Sie ein sinnvolles Konzept vorschlagen wollen (ich warte noch auf Ideen), können Sie das doch auch in den allgemeinen Sitzungen dazu tun.
      Und hat die Stadt denn die Polizei, die Sozialarbeiter und die Gastronomen nicht auf dem Schirm? Dass diese drei Parteien wesentliches zur wirksamen Lärmminderung beitragen können, sehe ich allerdings noch nicht. Bisher haben sie das jedenfalls nicht im erforderlichen Maß getan. Ich bleibe Skeptikerin.

      • 9. November 2017 at 9:30

        Gestern ist unser Antrag, im Bezirksrat eine Anhörung zum Partytourismus in Linden-Nord zu veranstalten, bis auf die FDP von allen Parteien angenommen worden. Damit wird der Bezirksbürgermeister jetzt Polizei, Lemmermannhaus und Gastronomie/Clubs einladen, in der Bürgerfragestunde können sich Bewohner/innen zu Wort melden. Parallel organisiert der Ordnungsdezernent eine Sondersitzung des Bezirksrates am 13.12.2017, auf die zum Thema Sicherheit und Ordnung alle Bewohner/innen Lindens und Limmers kommen können. Der Unterschied ist, dass wir die Anhörung dezidiert zum Partytourismus in Linden-Nord beantragt haben, sich der Ordnungsdezernent dezidiert mit allen Fragen von Sicherheit und Ordnung im Stadbezirk beschäftigen soll. Wir Grüne haben diesen Punkt „Bürger/innenbeteiligung in den Stadtbezirken“ auf Stadtebene in die Drucksache aufgenommen.
        Noch ein Wort zu der Frage, wie Sicherheitskräfte auftreten sollten. Natürlich nicht martialisch und abschreckend, sondern aktiv eingreifend und vermittelnd. Auf ebenfalls grünen Vorschlag werden die 38 neuen Sicherheitskräfte, die die Drucksache Sicherheit und Ordnung vorsieht, als Frau-und-Mann-Paare unterwegs sein. Das ist gerade in den Nachtstunden für das subjektive und objektive Sicherheitsempfinden gerade von Frauen von wesentlicher Bedeutung. Das nur als ein Beispiel, welche Fragen es zu diskutieren gibt.

        • Skeptikerin
          10. November 2017 at 13:53

          Das weckt zunächst mal Hoffnung, das sich wirklich was tut. Was letztendlich dabei herauskommt wird sich zeigen.
          Trotzdem seltsam, dass man die Anwohner in die zweite Reihe stellt.
          Wenn die Stadt es endlich schafft, diese unhaltbaren Zustände zu beenden, soll mir der Weg dahin egal sein.
          Hauptsache den Anwohnern wird geholfen, ihr ohnehin bestehendes Recht auf Nacht- und Sonntagsruhe durchzusetzen und es kehrt wieder mehr Ruhe ein im Stadtteil.

          • 11. November 2017 at 12:04

            Die Anwohner stehen nicht in der zweiten Reihe. Nochmal: Wir Grünen haben überhaupt erst dafür gesorgt, dass es eine Bürger/innenbeteiligung zum Sicherheits- und Ordnungskonzept in den Stadtbezirken geben wird. Das Sicherheits- und Ordnungskonzept ist sehr umfassend und hat ein jährliches Budget von 3,5 Millionen Euro. Das ist sehr viel Geld und wir Grüne werden beantragen, einen Teil des Geldes sinnvoll in Maßnahmen in Linden zu investieren. Welche Maßnahmen das sein werden, hängt von den Vorschlägen ab, die bei der Anhörung und der Beteiligung vorgetragen werden. Hoffnung ist insofern gut, noch besser ist es, mit umsetzbaren Vorschlägen zu kommen. Da vele Interessen aufeinanderkommen werden, braucht es gute und sachliche Argumentation. Und: So eine Beteiligung muss gut moderiert und vorbereitet werden. Das macht derzeit der Ordnungsdezernent und die Veranstaltung soll, so mir bekannt, am 13.12.2017 stattfinden.

  6. Thumbsup
    9. November 2017 at 11:53

    Vielen Dank für die zusätzlichen Informationen und Klarstellungen. Und natürlich vielen Dank ganz allgemein dafür, das sich Die Grünen im Stadtbezirk dieser Problematik überhaupt angenommen haben.
    Warum hat die FDP eigentlich nicht für den Antrag gestimmt? Gab es ein Begründung dafür?

  7. Wulf
    10. November 2017 at 8:35

    Schön, dass jemand aus der Kommunalpolitik die Probleme der Anwohnenden ernst nimmt.
    Allerdings frage ich in dem Zusammenhang, warum das Karl-Lemmermann-Haus eingeladen wird (?):
    Die haben mal für viel Geld tagsüber die Punks vorm Rewe betreut. Diese Punks waren aber nie das Problem der vielen Menschen, die nachts nicht schlafen können.
    Das Problem ist die Schreierei und das Gegröle der Partytouristen zwischen spät abends und früh morgens – dies ist bei den meisten Menschen üblicherweise die Zeit, in der sie Schlaf brauchen..

    • 11. November 2017 at 11:56

      Das Karl-Lemmermann-Haus evaluiert die Limmerstraßenstreife. Und das Karl-Lemmermann-Haus hat den Auftrag bekommen, sich um die Punks zu kümmern. Dieser Auftrag wird ausgeführt, das hat mit dem Partytourismus tatächich nichts zu tun. Deshalb sollten Sie genau diesen Beitrag in die Bürgerbeteiligung einbringen, das Karl-Lemmermann-Haus mit dem Lärm des Partytourismus zu beauftragen.

  8. Skeptikerin
    11. November 2017 at 23:42

    Warum glauben Sie, dass das Karl-Lemmermann-Haus besser geeignet ist, als vom Ordnungsamt geschickte Ordnungskräfte (denen man auch mehr Befugnisse geben könnte als den Sozialarbeitern)?

    • 12. November 2017 at 13:46

      Diskutiert wurden zum Sicherheits- und Ordnungskonzept auch stichsichere Westen und Teleskopstöcke. Das zeigt, wie eine Maßnahme aus dem Ruder laufen kann. Daher ist die Diskussion um die Befugnisse ist durchaus wichtig. Die Ordnungskräfte aus dem neuen Sicherheits- und Ordnungskonzept sollen z.B. auch Durchsuchungen vornehmen können. Ich finde das problematisch, weil ich hier die Grenze zur polizeilichen Arbeit überschritten sehe. Das Lemmermannhaus kann hierzu sicherlich eine gute Einschätzung vornehmen, da sie den Prozess der Limmerstraßenpatrouille evaluieren.

      • Skeptikerin
        12. November 2017 at 20:04

        Einen letzten Kommentar noch:

        Wie lange macht die Limmerstraßenpatrouille das schon und wie ruhig ist es dadurch nachts auf der Limmerstraße geworden? Ich kann mich nicht erinnern, dass mal jemand gesagt hätte, dass es wirklich was gebracht hätte. Warum fragt man nicht die Anwohner?
        Warum evaluiert das Karl-Lemmermann-Haus deren Arbeit?
        Das Karl-Lemmermann-Haus macht SOZIALARBEIT FÜR WOHNUNGSLOSE. Diese Arbeit will ich keinesfalls schmälern, im Gegenteil. Sie wird ja leider von Jahr zu Jahr wichtiger in diesem reichen Land. Hier der Link zu deren Konzept: http://www.karl-lemmermann-haus.de/downloads/konzeption_tw.pdf

        Die PARTYTOURISTEN sind aber eine ANDERE BAUSTELLE, und welche Maßnahme ich für absolut notwendig halte, damit die Anwohner wirklich entlastet werden, habe ich ja oben schon geschrieben. Und mit der Ansicht bin ich ja nicht allein.

        Stichsichere Westen und Teleskopstöcke erscheinen zwar auf den ersten Blick etwas extrem, wären aber doch wohl nur zur Verteidigung im Notfall gedacht und nicht um Jeden zu verhauen, der mal ein bisschen zu laut spricht.
        Durchsuchungen könnten z.B. dann Sinn machen, wenn jemand gerade einen Böller geworfen hat, aber natürlich behauptet, er war es nicht.
        Was auch immer die Ordnungskräfte an Befugnissen haben, würden sie doch nur einsetzen, wenn die Partygänger sich weigern ihr Verhalten zu mäßigen. Wer sich normal benimmt, hat ja nichts zu befürchten. Würden denn bei Wiederholungstätern nicht auch Platzverweise Sinn machen?

        Meine große Sorge ist, dass die von der Stadt zu beschließenden Maßnahmen doch wieder unzureichend sein könnten. Das würde dann für die Anwohner mindestens ein weiteres Jahr nervenaufreibende und gesundheitsschädigende Lärmbelastung bedeuten. Denn es würde ja wieder ewig dauern, bis man erkennt, dass es nicht ausreichend war. Und dann wird wieder evaluiert, wieder lange drumherumdiskutiert usw., während die Anwohner weiter um ihre Nachtruhe gebracht werden.

        Wie Thumbsup finde ich auch, dass man nicht erst bereits gemachte Fehler wiederholen sollte. Das würde zuviel Zeit und Geld kosten. Und die Anwohner haben nun wohl auch nicht mehr so viel Geduld. Es muss sich so bald wie möglich spürbar etwas verändern.

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