Guerilla Gardening erobert die Stadt

urbangardening_00Dornröschenbrücke, Linden-Nord, Hannover

Immer häufiger sehen wir, wie Straßenraum phantasievoll begrünt wird. Blumenampeln hängen in den Bäumen, kleine freie Flächen werden mit Blumenkästen zu Minioasen zwischen Autos und Fahrrädern. Manchmal sprießen einfach Wildblumen auf kleinen Rasenresten. Dahinter steckt nicht die Stadtverwaltung, sondern Menschen, für die Straßen nicht nur funktionale Verkehrswege sind. Sie sind Teil einer Graswurzelbewegung, die mehr Grün in die Stadt tragen möchte. Das liebevolle Gärtnern vor der Haustür oder gezielt geworfene Blumensamen, sogenannten Saatbomben, sind die Waffen der Guerilleros. Das Begrünen ist zwar nicht erlaubt, da Pflanztröge oder Bewuchs Gefahren für die reibungslose Abwicklung des Verkehrs darstellen. Doch gerade der Widerstand gegen die ungerechte Verteilung von öffentlichem Raum und die sanfte Wahl der Mittel macht das Guerilla Garding so attraktiv. Wer kann schon etwas gegen ein paar Blumen haben? Richard Reynolds betont die politische Ebene des urbanen Gärtnerns gegen die Machtverhältnisse: „Guerilla Gardeming ist eine Schlacht, in der die Blumen die Munition sind (Reynolds 2009: Guerilla Gardening, Ein botanisches Manifest, S. 12).

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gesehen in der Pestalozzistraße, Linden-Nord, Hannover

In der Pestalozzistraße in Linden-Nord sind mehrere Bäume umgärtnert worden. Das Foto zeigt eindrucksvoll die Kraft des Guerilla Gardenings. Inspiriert davon, habe ich ein kleines Kunstwerk an unserem Patenbaum in der Nedderfeldstraße gehängt. Nachahmung erwünscht!

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Kunst im Baum, Nedderfeldstraße, Linden-Nord, Hannover

siehe auch: Palettengärten in Linden-Nord
siehe auch: Baumpatenschaften

Vielfalt und Teilhabe halten unseren Kiez zusammen

VielfaltSirin Supermarkt, Limmerstraße, Linden-Nord, Hannover

Menschen mit Migrationshintergrund, was für ein Wortungetüm. Haben wir es nötig, extra eine Schublade für Migrantinnen und Migranten aufzumachen? Für erkennungsdienstliche Zwecke und Presseberichte wird das Raster missbräuchlich eingesetzt. Wir brauchen keine Informationen, die unsere Gesellschaft spalten wollen. Für das Verständnis von Vielfalt und die Analyse sozialer Ungleichheit ist die analytische Trennung aber in etwa genauso wichtig wie die Indikatoren Geschlecht, Alter, Bildung und Einkommen.

In Linden und Limmer leben wir seit Jahrzehnten in multikulturellen Nachbarschaften. Inzwischen prägt die dritte Generation unsere Stadtteile. Sie sind längst keine Ausländer mehr, auch keine Migrationshintergründler, sie sind ein Teil von Linden und Limmer geworden.

Wie Teilhabe funktionieren kann, haben wir in einer Studie aufgezeigt, die die spezifische Situation der sozialen Milieus in drei typischen Einwandererregionen Niedersachsens beleuchtet, Hannover, Salzgitter, Cloppenburg:

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Heiko Geiling, Daniel Gardemin, Stephan Meise, Andrea König 2011: Migration – Teilhabe – Milieus. Spätaussiedler und türkeistämmige Deutsche im sozialen Raum, VS-Verlag Wiesbaden.

Die Radwegebenutzungspflicht behindert die Entwicklung des Radverkehrs

 

FahrradwegendeFahrradweg in die Sackgasse, Engesohde, Südstadt, Hannover

Das Verwaltungsgericht Hannover hat am 24. April 2014 einem Kläger Recht gegeben, der sich von der Stadt Hildesheim gezwungen sah, auf einem unzureichenden Fahrradstreifen fahren zu müssen (Aktenzeichen 7 A 5659/13). Dieses Urteil stellt einmal mehr die Radwegebenutzungspflicht in Frage.

Die Radwegebenutzungspflicht wird mit Hilfe von blauen Verkehrsschildern dort eingesetzt, wo Autofahrende durch Fahrräder auf der Straße in ihrem Verkehrsfluss gestört werden könnten. Folge ist der Zwang für Radfahrende, die Straße zu verlassen und dann auf häufig unzureichenden Radwegen in Konkurrenz zum Fußweg ausgebremst zu werden. Wer dem blauen Schild nicht folgt, setzt sich ins Unrecht.

Mit der Zunahme des Radverkehrs verschärft sich diese Ungleichheit zwischen Rad- und Autoverkehr. Nur mit der Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht lässt sich Gleichheit, Flexibilität in der Flächennutzung und mehr Sicherheit erreichen.

Wenn die schnelleren FahrradfahrerInnen auf die Straße ausweichen können, entsteht mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmende. Selbst die Bundesanstalt für Straßenwesen weist darauf hin. Für FußgängerInnen und Kinder entstehen mehr Raum und weniger Gefahren durch die Verlagerung des schnellen Radverkehrs auf die Straße. RadfahrererInnen werden für den Autoverkehr sichtbarer. Vor allem die vielen Unfälle mit Verletzungsfolgen für RadfahrInnen durch falsches Abbiegeverhalten von Kraftfahrzeugen werden zurückgehen. Dass dies kein Wunschdenken ist, zeigen Beispiele aus Kommunen, die die Radwegebenutzungspflicht aufgehoben haben.

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Flying Dutchman, Offensteinstraße, Linden-Nord, Hannover

Radfahren ist in den Ballungszentren schon heute gleich schnell wie der Autoverkehr. Ein Grund mehr, die Straße konsequent für den Fahrradverkehr zu öffnen. Die Vielfalt des Fahrradverkehrs von Alttagsradelnden, Berufsradelnden, E-Bikern, Rennradfahrenden, Lastenfahrzeugen, Ganzjahresradlenden und LernanfängerInnen erfordert eine neue Aufteilung der städtischen Wegeflächen unter den VerkehrsteilnehmerInnen.

Wir brauchen eine neue Kultur des Respekts füreinander im Straßenverkehr. Nur eine Gleichberechtigung von Fahrrädern und Kraftfahrzeugen auf der Straße fördert die gegenseitige Rücksichtnahme.

Peter Trinks, Verkehrsexperte der Polizei Hannover, unterstützt diese Forderung: „Dann gelangen die Radler ins Sichtfeld der Autofahrer“, so sein Kommentar in der HAZ vom 15. März 2014.

Siehe auch blog.gardemin/verkehr

Wir brauchen eine verbindliche Quote von preiswertem Wohnraum

wohncafeCafe Bohne, Limmerstraße, Linden-Nord, Hannover

Hannover wächst so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Da ist es nur konsequent, wenn Investoren Gewerbe in Wohnungen umwandeln wollen. Der geplante Umbau des Bredero-Hochhauses in der Innenstadt soll hier einen prominenten Anfang machen. Das Ihme-Zentrum, die Bestandsbauten auf der Conti-Brache in Limmer und andere leer stehende Gewerbeimmobilien könnten diesem Beispiel folgen. Gleichwohl irritiert die Aussage unseres Stadtbaurats Bodemann in der Hannoverschen Allgemeinen vom 3.3.2014, man wolle den Investor nicht zu günstigem Wohnraum verpflichten. Eigentlich müsste ja 25 Prozent preiswerter Wohnraum gefordert werden. Bei Bredero bestünde aber die Gefahr, den Investor zu verprellen.

Neubau auf Bunker, Ottenstraße, Linden-Nord, Hannover (Foto: Daniel Gardemin)
Neubau auf Bunker, Ottenstraße/Pfarrlandplatz, Linden-Nord, Hannover

Wer solche Ausnahmen zulässt, verschärft den Preisdruck am Wohnungsmarkt. Wir haben in den letzten fünfzehn Jahren fast die Hälfte aller Sozialwohnungen in Hannover verloren. Gleichzeitig steigen die Mietpreise und die Wohnungsleerstände sinken auf Tiefstwerte. Viele Menschen finden heute schon keine günstigen Wohnungen mehr. Wenn der Zuzug weiter zunimmt und der soziale Wohnungsbau den Rückgang von alten Sozialwohnungen nicht kompensiert, droht aus einem ausgewogenen Wohnungsmarkt ein Hannover der Wohnungsnot zu werden. München und andere Städte machen es vor und lassen sich ihre sozialpolitischen Vorgaben nicht mehr abhandeln. Wir brauchen in Hannover bei jedem Wohnungsneubau eine verbindliche Quote von preiswertem Wohnraum. Ohne Ausnahme.

Siehe auch:

Diskussionspapier Wohnen

Daniel Gardemin – Großstadt im Wandel. Plädoyer für eine neue Wohnungspolitik (erschienen in SPW, Heft 198, Ausgabe 5, 2013, S.23-28)

blog.gardemin/wohnen

blog.gardemin/stadtteildialog/gentrifizierung

Nadelöhr Benno-Ohnesorg-Brücke

BOBBitte absteigen, Benno-Ohnesorg-Brücke, Linden-Mitte, Hannover

Der größte Brückenneubau Hannovers zeigt sich heute als Schildbürgerstreich für Fahrradfahrer. Wo vorher Radstreifen auf der Fahrbahn eine zügige Überquerung der Brücke ermöglichten, enden heute Fahrradwege im Nichts. Enge nutzungspflichtige Doppelrichtungsradwege provozieren gefährliche Begegnungen zwischen Radfahrenden und Fußgängern. Das Ausweichen auf die Fahrbahn setzt Radler ins rechtliche Abseits.

Das Bauderzernat hat mir am 25. Juni 2013 auf meine Anfrage hin mitgeteilt: Mit der Aufhebung der Radwegebenutzungspflicht an der Benno-Ohnesorg-Brücke entstünden „erhebliche Einbußen am Knotenpunkt Humboldtstraße“ und die „Engstelle von 2,43 m“ am Capitol für den kombinierten Rad- und Fußweg sei zwar unterhalb der vorgeschriebenen Mindestbreite, rechtlich aber einwandfrei.

Im Klartext: Der Autoverkehr hat grundsätzlich Vorrang und bei Neubauten von Fahrradwegen setzt sich die Stadt auch über Mindestbreiten hinweg.

Eine Dokumentation findet sich hier:

Das Verschwinden der Fahrradwege (Juni 2013)

Hannover wächst

RackebrandtGaststätte Rackebrandt, Brauhofstraße, Linden-Mitte, Hannover

Die Bürgerinitiative „Limmer für Immer“ schreibt einen offenen Brief an den Oberbürgermeister. Sie befürchtet, die Stadt wolle mit einer starken Verdichtung alle Wohnprobleme auf einen Schlag im Stadtteil Limmer lösen. Dabei stößt die Bürgerinitiative auf Ungereimtheiten in der Bevölkerungsstatistik. Durch eine statistische Korrektur im Rahmen der Volkszählung 2011 sieht es tatsächlich so aus, als schrumpfe die Bevölkerung Hannovers. Das Gegenteil ist aber der Fall.

Durch die Volkszählung 2011 sind die Einwohnerzahlen um rund 10.500 Personen nach unten korrigiert worden. Daher das Missverständnis. Tatsächlich haben wir aber eine steile Bevölkerungsentwicklung nach oben, darauf habe ich in meinem Wohnpapier Juni letzten Jahres bereits aufmerksam gemacht:

-> Diskussionspapier Wohnen

Die Stadt hat das lange nicht wahrhaben wollen. Erst mit der jüngsten Veröffentlichung der Bevölkerungszahlen für das Jahr 2013 kommt nun Torschlusspanik auf. Um rund 5.000 Menschen ist Hannover größer geworden, 1 Prozent Bevölkerungszuwachs in einem Jahr. Wohnungen und Schulen müssen jetzt plötzlich ganz schnell gebaut werden. Hätten die Statistiker genauer ihre eigenen Daten beobachtet, wäre die Bevölkerungsentwicklung nicht verborgen geblieben. Das Pestel-Institut hatte diese Kritik auch geübt. In den letzten drei Jahren ist Hannover um 13.853 Einwohner brutto gewachsen (seit 1.1.2011). Die Stadt selbst ging in einer für das Wohnkonzept 2025 gefertigten Prognose von 13.000 Menschen bis 2025 aus. Die Excel-Grafik unten zeigt den Unterschied. Wie es weitergeht wissen wir nicht. Aber zum Vergleich: Frankfurt, mit 687.000 Einwohnern größer als Hannover, wuchs letztes Jahr um 13.000 Einwohner, 2 Prozent Zuwachs in nur einem Jahr.

Bevoelkerungsbarometer

Eigene Ableitung der Bevölkerungsentwicklung Hannovers, Quelle: Daniel Gardemin, 2/2014

Siehe auch:
blog.gardemin/wohnen
blog.gardemin/wohnen/gentrifizierung

Ein neues Stadtviertel entsteht – Die Wasserstadt Limmer

WasserstadtLeineufer, Hannover

Die Wasserstadt Limmer wird ein neuer Stadtteil im Nordwesten Hannovers. Auf der Brache der fast vollständig abgerissenen Industrieanlagen der Continental AG in Limmer entstehen über 2.000 Häuser für bis zu 5.000 Bewohner, eine Grundschule, ein Gymnasium, Kindertagesstätten und Einkaufsmöglichkeiten.

Die Lage zwischen Leineauen und Kanälen ist äußerst attraktiv für urbanes Wohnen.

Der von der Stadtverwaltung vorgelegte Planungsentwurf traf die Bewohner des Stadtteils jedoch unvorbereitet. Bis dahin waren sie von einer Bebauung mit 600 Einfamilienhäusern ausgegangen, die Sanierungskommission Limmer war vollkommen übergangen worden.

Auf Antrag der grünen Fraktion beschloss der Stadtbezirksrat Linden-Limmer, eine Bürgerbeteiligung und Anwaltsplanung zu fordern. Mit der Anwaltsplanung, in der Fachleute die Interessen der Menschen vor Ort gegenüber der Stadt vertreten, hat Linden bei erfolgreichen Stadtteilsanierungen gute Erfahrungen gemacht. Der Prozess braucht allerdings Zeit, den Stadt nicht zu haben glaubt. Schließlich sind entgegen den städtischen Zahlen, die bis 2025 in Hannover einen moderaten Zuwachs von 13.000 Menschen prognostizierten, ist Hannover bereits in den vergangenen vier Jahren um rund 15.000 Einwohner gewachsen.

Die Notwendigkeit der Verdichtung wird von fast allen Beteiligten gesehen. Hannover ist eine Großstadt und die Verdichtung der Bebauung fördert nicht nur Nachbarschaften und energetische Vorteile, sie wird zunehmend auch als städtische Lebensform gesucht.

Der städtischen Eile, das Projekt Wasserstadt möglichst schnell durchzubringen, wollen wir aber einen geordneten Prozess entgegenhalten. Es sind die Fragen zu klären:

– Verdichtung: Wie viele Menschen, wie hoch die Häuser, wie weit der Abstand?
– Durchmischung: Welche Wohnformen, welche Bauformen etc.?
– Belegrechte: Welche Quote?

Die Fragen zur Infrastruktur sind zusätzlich zu klären, noch ist völlig offen, wie der Verkehr über die einzige Anbindung Wunstorfer Straße überhaupt bewältigt werden kann.

Am 4. März 2014 reagierte die grüne Stadtteilgruppe Linden-Limmer mit einer kontroversen Diskussionveranstaltung zum Thema Wasserstadt Limmer:

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140218_Stadtteildialog-Wasserstadt-Limmer_kl

Bündnis90/Die Grünen Linden-Limmer
"Ein neues Stadtviertel entsteht - Wie wird die Wasserstadt Limmer in Zukunft aussehen?"
Dienstag, 04.03.2014
Diskussion im Foyer Transition Town Hall, Wunstorfer Straße

Spannende Diskussion vor vollem Haus. Nahezu 100 Interessierte waren gekommen. Nach sehr aufschlussreichem, von Sid Auffarth geführtem Rundgang durch die restlichen Conti-Ruinen bis zum „Deutschen Eck“, an dem die Kanäle zusammen kommen, gab es eine lebhafte Diskussion in der Transition Town Hall.

Michael Dette steht grundsätzlich hinter dem verdichteten Planungsentwurf, sieht aber noch architektonischen Bedarf. Er kann sich zwischen 1.600 und 2.200 Wohneinheiten vorstellen. Sid Auffarth möchte eine Reduzierung der derzeitigen Planung, findet die Verdichtung aber grundsätzlich richtig, den Entwurf allerdings langweilig und fordert Zeit und BürgerInnenbeteiligung.

Rainer Grube möchte deutlich weniger Wohnungen – „die Hälfte reicht auch.“

Sein Vorschlag für eine bessere Mischung der Bevölkerungsstruktur als verbindliche Vorgabe: 25 % Sozialwohnungen/Belegrechte, 25 % Wohnungen für Genossenschaften und Baugruppen, 25 % Mietwohnungen für mittlere Einkommen, 25 % Andere (Eigentum in Wohnungen und/oder Häusern), dazu Mischbebauung mit Einkaufsgelegenheiten etc. „Keine Segregation, auch nicht der Besserverdienenden!“.

Von den ZuhörerInnen kam neben genereller Ablehnung des Entwurfs die Bitte um qualifizierte Bürgerbeteiligung, Klärung des Verkehrsproblems und der infrastrukturellen Fragen. Einige haben Angst vor der Belegrechtsklientel, andere vor den hochpreisigen Neulimmeranern und den Auswirkungen auf die Grundstückspreise.

Daniel Gardemin fragt, ob auch ein autofreies Quartier im Quartier möglich sei, das Gelände nicht zu sehr verschattet wird und ob nicht auch planerisch mehr Pluralität erzeugt werden kann (Baustile, Alte, Kinder…). Bei wohl 12 Euro aufwärts für den Quadratmeter Kaltmiete bzw. bei zu erwartendem hochpreisigen Eigentum wird die Durchmischung aber wahrscheinlich nur über unterschiedliche architektonische Angebote zu bewerkstelligen sein und durch mietenreduzierende Maßnahmen.

Ängste vor einer Ballung von Sozialwohnungen sind schon rein rechnerisch unbgründet, für die nächsten fünf Jahre sind im städtischen Haushalt Mittel für stadtweit 750 geförderte
Wohnungen vorgesehen. Davon ist schon die Hälfte in baureifen Projekten gebunden, auch die restlichen 450 Wohnungen können und sollen nicht allein auf dem Wasserstadtgelände entstehen, so Michael Dettte. „Leider stellen Land und Bund fast keine Mittel mehr für den sozialen Wohnungsbau zur Verfügung.“

Der Einfluss auf das Privatgelände ist nicht sehr groß, der Investor könne nur bedingt gelenkt werden. Welche Steuerungsmöglichkeiten es gibt, wird in der B-Plan-Erstellung zu
erörtern sein, die Zeit wird allerdings knapp, es scheint eine Reihe von Pflöcken bereits eingeschlagen zu sein. Das Vorgehen der Stadt wird von den Anwohnern als Überrumpelung wahrgenommen, sie fühlen sich allein gelassen.

Zusammenfassung: Daniel Gardemin, Sprecher Stadtteilgruppe B90/Grüne Linden-Limmer

Fahrradstadt Hannover

FahrradFahrräder warten auf ihren Einsatz, Linden-Nord, Hannover

Die grünste Großstadt Deutschlands hat das Potenzial, die fahrradfreundlichste Großstadt Norddeutschlands zu werden.

Der Anstieg der Fahrradnutzung am gesamten Verkehrsaufkommen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verdoppelt. 19 Prozent aller Wege in der Stadt Hannover werden heute mit dem Fahrrad zurückgelegt.

Die grünen Achsen Eilenriede, Maschsee und Leine und ein Radewegenetz von über 500 Kilometern machen Hannover zu einer Stadt der schnellen und schönen Radverbindungen.

Mit der Nähe der großen Stadteile zum Stadtzentrum ist Hannover eine Stadt der kurzen Wege. Fahrradfahren in Hannover ist praktisch, schnell und gesund.

Fahrradfahren wird zu einem Hauptmerkmal für die neue Attraktivität Hannovers.

Für die Entwicklung dieses Potenzials müssen rechtzeitig flankierende Maßnahmen ergriffen werden. Ganz Vorne steht die Unterstützung des Wachstums des Radverkehrs und die Verbesserung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmenden.

Schleichende Gentrifizierung

GentrifizierungNedderfeldstraße, Linden-Nord, Hannover

Der Streit um die schleichende Gentrifizierung begann im Frühjahr 2011. Vor allem junge Menschen fanden im Stadtteil keine Wohnung mehr. Es lag erst einmal nicht an den hohen Mieten, der Wohnungsmarkt war einfach dicht. Erstmals seit vielen Jahren gab es wieder Nettozuzüge, das heißt Hannover wuchs und die angesagten Stadtteile, insbesondere Linden, gerieten unter Druck. Mit der Besetzung eines vom Abriss bedrohten Wohnhauses machte eine Gruppe junger Menschen auf die Situation aufmerksam. In Folge der Besetzung wurde nicht etwa über die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt diskutiert sondern über die Frage, ob Hausbesetzungen legitime Mittel zivilen Ungehorsams seien.

Ein Teil der Debatte wurde in den örtlichen Zeitungen aufgenommen. Zwei Auseinandersetzungen sind hier stellvertretend aufgeführt. Meine Argumentation orientiert sich jeweils an einer zentralen Grundfigur: Wenn wir das Gleichgewicht in unserem Stadtbezirk halten wollen, müssen wir darauf achten, dass niemand aus dem Stadtteil verdrängt wird. Verdrängung ist ein leiser, schleichender und irreversibler Prozess und trifft immer diejenigen, die sich am wenigsten wehren und artikulieren können.

Vielfach ist uns diese Argumentation im Munde umgedreht worden. Wir würden etwas gegen Neuzuzüge haben, uns gegen die Besserverdienenden richten, Investoren verschrecken. Das ist nicht der Fall, jede und jeder ist hier gerne gesehen, der am Gemeinwohl mitwirken möchte. Es hat in der Vergangenheit genügend Beispiele schonender Sanierung und ehrenamtlichen Engagements für eine Verbesserung der Stadtteile gegeben. Die Methoden der jüngeren Zeit, Menschen aus den Wohnungen „rauszuwohnen“ und am Rande der Legalität unter dem Druck des Wohnungsmarktes Verträge abzuschließen und Mieterhöhungen durchzuführen, bewirken das Gegenteil. Entsolidarisierung und Misstrauen.

Zwei Dialoge, ein Interview, eine Persiflage und ein aus der Auseinandersetzung hervorgegangenes Positionspapier skizzieren die Gentrifizierungsdebatte:

Gentrifizierung in Hannover-Linden (h1-Fernsehen Juni 2012)

Interview im Kleeblatt (Ausgabe Oktober 2012)

Gentrifizierung – Wem gehört die Stadt (November 2012)

Streitdialog Barkoff/Gardemin (Januar bis März 2013)

Bezahlbarer Wohnraum in verdichteten Wohnquartieren der Stadt Hannover – Vorschlag zur Eindämmung von Verdrängungsprozessen und Wohnungsnot (Positionspapier Daniel Gardemin, Mai 2013)

Steigen die Mieten in Linden? Eine Diskussion (Februar 2014)

Wir machen unseren Strom selbst

 HKW02Lindener Heizkraftwerk, Linden-Nord, Hannover

Seit 2004 installieren und betreiben wir Bürgersolaranlagen. Wir, das sind Menschen aus Hannover, die einen Beitrag zur Energiewende leisten wollen. Hannovers Dächer eignen sich dafür hervorragend. Unsere Pilotanlage entstand auf einem Genosenschaftsgebäude in Linden-Nord. Weitere Anlagen folgten in der ganzen Region Hannover.

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Bürgersolaranlage SolCollect, Ottenstraße, Linden-Nord, Hannover

Nähere Infos unter: www.solcollect.de